Carolin Behrendt, Chief Quality Officer der Alloheim Gruppe, erklärt, wie das Qualitätsmanagement des Unternehmens strukturiert ist, was es leisten soll – und warum Qualität in der Pflege mehr ist als Kontrolle. Alloheim setzt dabei auf drei Ebenen: rund 300 Qualitätsmanagerinnen und -manager vor Ort, die systematische Übersetzung pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis und ein datenbasiertes Steuerungsinstrument, das in dieser Form einzigartig in Deutschland ist.
Frau Behrendt, wie würden Sie in zwei Sätzen erklären, wofür Ihr Bereich steht?
BEHRENDT: Wir sorgen dafür, dass Pflege in all unseren Einrichtungen auf einem hohen und kontinuierlich wachsenden Qualitätsniveau stattfindet und dass die Menschen, die diese Pflege leisten, dabei nicht allein gelassen werden. Kurz gesagt: Wir sind die Verbindung zwischen dem, was in der Pflegewissenschaft als Standard definiert ist, und dem, was täglich am Bett passiert.
Wie ist das Qualitätsmanagement bei Alloheim dafür aufgestellt?
BEHRENDT: Wir haben das Qualitätsmanagement auf vier spezialisierte Säulen gebaut, die eng miteinander verzahnt sind: ein eigenständiges Auditmanagement-Team, das Regionale Qualitätsmanagement, das direkt in den Einrichtungen aktiv ist, die Säule Weiterbildung Pflege und Qualität sowie den Bereich der Qualitätsregulatorik. Jede Abteilung hat eine klar definierte Rolle – und erst ihr Zusammenspiel macht das System wirksam.
Was uns dabei von vielen anderen Trägern unterscheidet: Wir haben rund 300 Qualitätsbeauftragte, die in den Einrichtungen diese Vorgaben in die Praxis übersetzen. Das ermöglicht uns, Einrichtungen nicht nur punktuell zu unterstützen, sondern dauerhaft auf das Thema zu fokussieren. Unsere Qualitätsbeauftragten sind täglich vor Ort und arbeiten direkt mit den Pflegekräften und der Pflegedienstleitung zusammen.
Was genau prüft das interne Auditmanagement?
BEHRENDT: Ich würde das Wort „prüfen“ hier eigentlich gerne vermeiden oder zumindest einschränken. Internes Auditmanagement ist für uns kein Prüfmechanismus, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument. Es hilft uns, die aktuellen Herausforderungen des Pflegealltags und ihre Auswirkungen systematisch zu verstehen, Lösungen zu gestalten und kontinuierliche Weiterentwicklung voranzutreiben.
Das Team ist organisatorisch vom operativen Alltag getrennt – und das ist kein Zufall, sondern Programm. Nur durch diese Unabhängigkeit können Audits fokussiert, objektiv und systematisch durchgeführt werden. Basierend auf den Ergebnissen des Audits werden dann individuelle Maßnahmenpläne erstellt.
Wo kommt dann das Regionale Qualitätsmanagement ins Spiel?
BEHRENDT: Die regionalen Qualitätsmanagerinnen und -manager sind erfahrene Führungskräfte mit fachlicher Pflegeexpertise. Sie besuchen die Einrichtungen regelmäßig, arbeiten eng mit den Qualitätsbeauftragten und Pflegedienstleitungen zusammen und unterstützen konkret: bei der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen, bei Qualitätsprüfungen und Nachprüfungen, bei der Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen und bei der fachlichen Beratung. Die Intensität richtet sich nach dem individuellen Bedarf. Nach einer externen Prüfung braucht es manchmal mehr Präsenz, manchmal geht es um ganz konkrete Entwicklungsziele. Und auch im Anschluss an ein internes Audit begleiten sie die Einrichtung bei der Umsetzung der Maßnahmen.
Klingt nach viel Kontrolle. Wie nehmen die Einrichtungen das wahr?
BEHRENDT: Das ist eine Frage, die ich gut verstehe. Kontrolle gehört zu unseren Aufgaben, ja. Aber der Schwerpunkt liegt klar auf Anleitung, Beratung, Begleitung und Hilfestellung. Die Teams werden in den Einrichtungen als Unterstützung wahrgenommen, nicht als Kontrollinstanz. Das ist auch unser Anspruch. Qualität entsteht nicht durch Druck von außen, sondern durch gemeinsames Arbeiten an Lösungen und durch das Vertrauen, das dabei entsteht.
Eine wichtige Säule des Qualitätsmanagement sind Weiterbildungen. Wie gelingt es Alloheim, den Mitarbeitenden passgenaue Schulungsangebote anzubieten?
BEHRENDT: Unser Fachbereich Weiterbildung Pflege und Qualität entwickelt Formate, die direkt auf Auditergebnisse abgestimmt sind. Es geht also nicht um Standardprogramme, sondern um bedarfsgerechte Qualifizierung: Wo zeigen Audits Handlungsbedarf? Welche Kompetenzen müssen gestärkt werden? Welche Standardprozesse brauchen mehr Sicherheit in der Anwendung?
Dazu kommt eine Aufgabe, die mir persönlich sehr wichtig ist: die Übersetzung pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse in den Pflegealltag. Fachwissen hat nur dann Wirkung, wenn es für Mitarbeitende verständlich und unmittelbar anwendbar ist. Davon profitieren letztlich die Bewohnerinnen und Bewohner – sie erhalten Pflege nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Dabei achten wir darauf, dass die Inhalte und deren Aufbereitung an die jeweiligen Zielgruppen angepasst werden. E-Learning-Inhalte werden durch Weiterbildungsangebote in Präsenz ergänzt. Mit unserem Weiterbildungsformat Pflege 365 frischen wir bei Pflegehelfern und Pflegefachassistenten, aber auch bei Pflegefachkräften immer wieder die Grundlagen auf. Unsere Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragten kommen in ihrer Region monatlich zu Tagungen zusammen und widmen sich dort Schwerpunktthemen.
Wie stellen Sie ein einheitliches Qualitätsniveau innerhalb der Unternehmensgruppe sicher?
BEHRENDT: Das Fundament erarbeitet die Abteilung Qualitätsregulatorik. Dieser Bereich definiert die Rahmenbedingungen, Standards und Kontrollmechanismen, innerhalb derer das gesamte System arbeitet. Er sorgt über alle Einrichtungen hinweg für Transparenz, Vergleichbarkeit sowie die Rechts- und Normkonformität unserer Pflegeprozesse. Ohne diese Grundlage wäre ein einheitliches Qualitätsniveau in einer Unternehmensgruppe unserer Größe schlicht nicht möglich.
Wir haben viel über Rollen, Strukturen und Prozesse gesprochen. Gibt es darüber hinaus auch digitale Instrumente, die das Qualitätssystem unterstützen?
BEHRENDT: Das ist eines unserer wichtigsten Qualitätsprojekte, und ich glaube, es ist das beste Beispiel dafür, wie die Fachbereiche zusammenwirken: das Prospektive Reporting. Es stellt den Einrichtungen datenbasierte Handlungsempfehlungen für den Pflegealltag zur Verfügung. Pflegekräfte erhalten täglich eine priorisierte Übersicht über wichtige Aufgaben und anstehende Maßnahmen – konkret und auf die jeweilige Situation zugeschnitten. Nach einem Sturzereignis beispielsweise bekommen Mitarbeitende unmittelbar Hinweise zu notwendigen Beobachtungen und nächsten Schritten.
Das System funktioniert als strukturierter Fahrplan für den Pflegealltag. Es macht relevante Tätigkeiten transparent, unterstützt die Arbeitsorganisation und entlastet Pflegekräfte in einem ohnehin anspruchsvollen Alltag. Nach unserem Kenntnisstand ist dieses System in dieser Form einzigartig in Deutschland – und für uns im Pflegealltag nicht mehr wegzudenken.